Das Leben in Bahnen

Ein Zwischenruf vom Beckenrand

Von links nach rechts: Miss Jott, Gerlind Grundich-Unterscherz, Paul Kraul, Frau Özdemir, Fritz-Felix Grünlich, Ilse-Lotte Lobenich, Horst Seeblick, Ulf-Bernhard, Mister Bo.

Da sitzt sie nun. Meine Schwimmbadgesellschaft. Ein ziemlich schräger Haufen, zusammengewürfelt aus menschlichen Eigenheiten, Eitelkeiten, Neurosen und ein paar bemerkenswerten Gummibadekappen.

Es hat mir Spaß gemacht, eine Weile mit ihnen abzutauchen. Sie eigenhändig zu zeichnen, ihnen Namen zu geben, Geschichten anzudichten. Und sie schließlich alle nebeneinander an den Beckenrand zu setzen (Dank KI).

Eine Gemeinschaft, die sich außerhalb der chlorierten Komfortzone vermutlich niemals zusammengefunden hätte.

Überhaupt: Hallenbäder!

Sport in der Retorte. Bewegung im Hamsterrad. Schwimmen nach Vorschrift, schön sortiert zwischen Trennleinen. Von weit oben betrachtet eine riesige Matrix, in der sich kleine dunkle Punkte hin und her bewegen. Hin. Zurück. Wenden. Wieder hin. Bloß nicht quer!

Dafür wohltemperiertes Wasser, überschaubare Tiefen, keine Strömung, keine Quallen, keine Seeigel. Chlor statt Salz, Fliesen statt Horizont. Brandung gibt es allenfalls, wenn Kraulpaul zur Überholung ansetzt.

Der Schwimmspaß für Haustierchen. Mit geregelten Öffnungszeiten und Aufsichtspersonal.

Und irgendwie auch ein bisschen wie das Leben. Jeder auf seiner Bahn, möglichst ohne anzuecken. Die einen kraulen verbissen ihrem persönlichen Ziel entgegen, andere lassen sich treiben, manche kommen vor lauter Reden kaum vom Fleck. Und irgendwo sitzt einer mit einer Trillerpfeife und passt auf, dass niemand aus der Reihe tanzt.

Ich mag meine Schwimmbadgesellschaft. Wirklich. Jeder Einzelne hat seine liebenswerten Macken und seine ganz persönliche Vorstellung davon, wie man sich über Wasser hält.

Aber was Hallenbäder angeht: Nun ja.

Ich liebe Seen, Flüsse und das Meer. Am allerliebsten den Atlantik. Möglichst menschenleer, mit Wind, Wellen, Weite. Und dann nackt hinein ins Wasser. Ohne Bahnen, ohne Beckenrand, ohne Bademeister.

Keine Wende nach 25 Metern. Kein vorgeschriebener Kurs. Kein Chlorgeruch.

Dafür Salz auf der Haut, Sand zwischen den Zehen und gelegentlich eine Welle, die einem zeigt, wer hier eigentlich das Sagen hat.

Quer schwimmen ausdrücklich erwünscht.

Text und Illustration: C. Jendrike 
Grundidee und Textskizze: M. Bommer


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2 Kommentare zu „Das Leben in Bahnen“

  1. Ganz toll geschrieben und gezeichnet!

    1. Besten Dank! 🙏

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Ich zeichne, schreibe und dichte. Meine Ideen finde ich mitten im Alltag. In allem bin ich Anfängerin – für immer!
Worum geht’s? Ich glaube, um Liebe und Humor.
Jott



Kontakt: Christine Jendrike, missesjott@gmx.de


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