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Kladderadatsch & Kikeriki by jott


Nur noch konkret reden, gib mir ein ja oder nein.
Schluss mit Larifari, ich lass‘ all die alten Faxen sein.
Sollt ich je wieder kiffen, hau‘ ich mir ’ne Axt ins Bein.
Ich will nie mehr lügen, ich will jeden Satz auch so meinen. Peter Fox

Schwester Ursula von der göttlichen Zumutung

Von himmlischen Beats, sündigem Rubinrot und der vergeblichen Suche nach Stille.

©️jott

Ursula geht ins Kloster. Wegen der Ruhe.

Ein kapitaler Irrtum.

Um fünf donnern die Glocken, um sechs wird gesungen, um sieben röchelt Schwester Hildegard beim Frühstück, als hätte sie einen mittelgroßen Staubsauger verschluckt.

Ursula beantragt Schweigen.

Mutter Oberin verweist auf das Schweigegelübde.

„Ausgezeichnet“, sagt Ursula. „Wann fangen Sie damit an?“

Nach drei Wochen erkennt sie allerdings das musikalische Potenzial des Klostergeläuts.

Die große Glocke liefert den Bass. Die kleine klingelt im Offbeat. Was jahrhundertelang als Ruf zum Gebet gilt, entpuppt sich als mittelalterliche Technoproduktion mit miserabler Tontechnik.

Ursula ist begeistert.

Gott ist queer und DJ. Das ist doch bekannt. Offenbar legt die göttliche Instanz seit Jahrhunderten auf, ohne dass die Kirche es bemerkt.

Ursula liebt elektronische Musik. Unter ihrem Ordensgewand trägt sie ASICS. Neuestes Modell. Göttliche Dämpfung.

Sie programmiert das Geläut auf 128 BPM.

Seitdem bebt beim Angelus der Beichtstuhl.

Mutter Oberin spricht von Sakrileg.

Ursula von Sacred Rave.

Jesus nennt sie zärtlich Uschi.

Er neigt zu penetranten Kalauern.

„Uschi, mach kein Quatsch!“, sagt er, sobald sie den Bass aufdreht.

Dann kichert er.

Jedes Mal.

„Jesus Christus!“, stöhnt Ursula. „Zweitausend Jahre Auferstehung und immer noch derselbe Witz.“

Er kichert wieder.

Ursula erwägt einen Exorzismus.

Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt sie ohne größere Bedenken. Letzteren allerdings unter Ausschluss jeglicher Weisungsbefugnis.

Ihr Lippenstift heißt „Sündiges Rubinrot“.

„Wenn Gott keine roten Lippen wollte, wären Kirschen beige.“

Mutter Oberin spricht von Eitelkeit.

Ursula von ästhetischer Verwahrlosung im Ordenswesen.

Als der Beichtvater sie nach unreinen Gedanken fragt, antwortet sie: „Selten. Ich denke meistens ziemlich präzise.“

Drei Rosenkränze Buße.

Sie handelt ihn auf zwei herunter. Wegen der Inflation.

Inzwischen hat Ursula die Kirchenglocken mit einem Subwoofer synchronisiert. Die Messe beginnt mit einem tiefen Wummern, das selbst den Heiligen Antonius vom Sockel holt.

Schwester Hildegard nennt es ein Wunder.

Mutter Oberin nennt es einen Versicherungsfall.

Ursula nennt es den Heiligen Bummgeist.

Doch manchmal sitzt nachts eine junge Schwester verzweifelt in der Kapelle.

Dann stellt Ursula den Bass ab.

Die Glocken schweigen.

Sogar Jesus verkneift sich einen Kalauer.

Denn nicht jedes Elend braucht eine Predigt. Manchmal genügt ein Mensch.

Am nächsten Morgen läutet es wieder.

Schwester Hildegard hustet im Viervierteltakt.

Mutter Oberin seufzt synkopisch.

Ursula wippt in ihren ASICS.

Jesus flüstert: „Uschi, mach kein Quatsch.“

Und kichert.

Ursula liebt Gott. Sie mag sogar Jesus.

Aber wenn der Himmel tatsächlich die Ewigkeit bedeutet, besteht sie auf einer humoristischen Nachschulung des Heilands.

Bis dahin lässt sie die Glocken grooven.

Wegen der Ruhe.


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Ich spiele mit Sprache, mit Gedanken, mit Musik, mit Bildern, mit Absurditäten.
Ich spiele nicht mit Respekt, Gefühlen und Trollen.

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