Eine zoologische Entdeckung auf Kleinanzeigen

Gestern begann mein Tag mit einem Froschwitz. Ich lachte, zeichnete einen Froschkönig und war mit der Welt versöhnt. Mit meiner kleinen jedenfalls.
Dann öffnete ich Kleinanzeigen.
Dort versuche ich, mein Auto zu verkaufen. Ein ordentliches Fahrzeug zu einem fairen Preis. Für gewisse Zeitgenossen offenbar ein unerträglicher Angriff auf ihr Menschenrecht, fremdes Eigentum möglichst geschenkt zu bekommen.
Einer dieser digitalen Wegelagerer verzichtete auf lästige Dinge wie Höflichkeit, Argumente oder einen funktionsfähigen Wortschatz.
Stattdessen schrieb er:
„Looser, Lügner, analfabeth, du thust lügen.“
Ich war erschüttert.
Nicht von der Beleidigung. Von der Rechtschreibung.
Da beschimpft mich jemand als Analphabeten und scheitert bereits an der Schreibweise des Vorwurfs. „Looser“ statt „Loser“, „thust“ statt „tust“. Ein derartiger sprachlicher Totalschaden, dass selbst die Autokorrektur vermutlich den Rettungsdienst verständigt hätte.
Doch dann begriff ich: Ich war Zeuge einer zoologischen Sensation geworden!
Der Anal Fabeth (Arachnida rabatti) war entdeckt.
Eine seltene, sechsbeinige Schmarotzerspinne, die bevorzugt in den dunkleren Winkeln digitaler Marktplätze nistet.
Das Tier besitzt ein erstaunlich großes Mundwerk bei gleichzeitig verschwindend geringer Hirnaktivität. Wissenschaftler vermuten, dass das Denkorgan im Laufe der Evolution vollständig durch ein Preisdrückzentrum ersetzt wurde.
Seine Jagdstrategie ist von entwaffnender Primitivität: Er beschimpft seine Beute, bis diese entweder den Kaufpreis reduziert oder vor Verzweiflung das Auto verschenkt.
Der Anal Fabeth verfügt dabei über eine bemerkenswerte psychische Immunität. Selbst der offensichtlichste eigene Schwachsinn vermag sein Selbstbewusstsein nicht zu erschüttern.
Er leidet nicht an seiner Dummheit. Er lässt andere darunter leiden.
Eine besonders perfide Form des Parasitismus.
Was jedoch am meisten beeindruckt, ist sein Sendungsbewusstsein. Der Anal Fabeth hält sich für einen überlegenen Verhandlungspartner. Tatsächlich ist er der lebende Beweis dafür, dass man selbst mit einem Wortschatz von sechs Begriffen noch drei Rechtschreibfehler und vier Beleidigungen unterbringen kann.
Und mein Froschkönig?
Der hatte morgens noch hoffnungsvoll in die Welt geblickt.
Im Märchen wird bekanntlich aus einem Frosch durch einen Kuss ein Prinz.
Manche Geschöpfe brauchen keinen Kuss.
Sondern einen Duden.
Und eine Sperrfunktion.
Ich gehe erstmal ne Runde schwimmen; und dann lasse ich mich küssen. Von der Muse. Mindestens!

Schreibe einen Kommentar