Kommentar zum Leben vor dem Tod
„Sie hatte ein erfülltes Leben.“
Krawumm.
Ein Satz, der mich trifft.
Muss ich erst tot sein, damit jemand das über mich sagen kann?
Lebe ich ein erfülltes Leben?
Ich glaube schon.
Dabei geht’s mir gerade nicht besonders gut.
Glücklich? Es gibt Momente des Glücks. Durchaus.
Zufrieden? Das ist relativ.
Aber erfüllt? Königsdisziplin!
Und ja, tatsächlich lebe ich ein erfülltes Leben.
Ich lache, weine, liebe, zweifle, trauere, bedaure. Bin neugierig, manchmal ratlos, gelegentlich stinkwütend; ich habe Angst, verletzt zu werden, schuldig zu sein.
Manchmal schäme ich mich. Und oft finde ich mich selbst ziemlich okay und dann wieder lästig und überflüssig.
Ich habe Fehler gemacht. Chancen verpasst. Umwege genommen. Manche freiwillig, andere ganz bestimmt nicht.
Und längst habe ich nicht mit allem meinen Frieden geschlossen.
Na und?
Ich fühle mich in meinem Leben richtig. Am richtigen Platz. Nicht daneben. Nicht auf der Suche nach einem anderen.
Ich bin mittendrin.
Mit allem, was dazugehört.
Erfüllung ist für mich kein Dauerzustand von Glück oder Zufriedenheit.
Es ist die Lebendigkeit in allem.
Auch wenn’s gerade wehtut. Auch wenn es nicht rund läuft. Auch wenn Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte nicht in Erfüllung gehen.
Ich lebe. Jetzt. Erfüllt.
Und auch wenn es sich in schlechten Phasen wie Überleben anfühlt. Dann eben das: Erfülltes Überleben. Das ist auch schon ziemlich viel.


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