Zen

„Was ist eigentlich Zen?“, fragt Isolde und schiebt sich eine Sardine quer in den Schnabel.

„Keine Ahnung“, sage ich. „Vielleicht das hier.“

„Was hier?“

„Dass man morgens aufwacht, an Menschen denkt und nichts will.“

Isolde kaut nachdenklich.

„Gar nichts?“

„Nein. Kein Ziehen. Kein Sehnen. Kein Drama. Einfach nur … Wärme.“

„Langweilig“, murmelt Isolde.

„Überhaupt nicht.“

Sie kneift die Augen zusammen.
„Nicht mal ein kleines bisschen emotionale Eskalation?“

„Nein.“

„Keine tragische Musik im Hintergrund?“

„Auch nicht.“

„Nicht mal innerlich im Regen stehen und bedeutungsvoll auf ein beschlagenes Fenster starren?“

„Höchstens kurz.“

Isolde schweigt betroffen.

„Und was macht man dann mit den Leuten?“, fragt sie schließlich.

„Nichts.“

„Wie, nichts?“

„Man lässt sie.“

„Einfach so?“

„Ja.“

Isolde legt die Sardine weg.
„Das klingt ehrlich gesagt ziemlich erwachsen.“

„Und woher weißt du dann, dass du jemanden magst?“

Ich denke nach.

„Es wird ruhig im Kopf.“

„Aha.“

„Und warm im Herz.“

„Wie Eierlikör?“

„Eher wie Tee.“

„Mit Rum?“

„Nein.“

„Dann verstehe ich es nicht.“

Wir sitzen eine Weile schweigend da.

„Vielleicht“, sagt Isolde irgendwann leise, „ist Liebe manchmal einfach das Ende der inneren Panik.“

Ich sehe sie an.

„Das war jetzt überraschend tief.“

„Ich weiß“, sagt sie müde.
„Es ist noch früh, da tauche ich meistens tief.“

Anmerkung für Lesende, die Isolde noch nicht kennen:
Isolde ist eine gekritzelte Pinguinin in meinem Skizzenbuch, die eines Morgens entschied, mich anzusprechen.


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„Herz auf spitzer Zunge.
Typisch Jott.“

2026

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